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Digitale Souveränität
So heisst die aktuelle metaphorische Sau, die durch’s Dorf getrieben wird. Es geht darum, ob Du und deine Organisation selbst über deine Daten bestimmen kannst. Oder ob Du im Jahr 2026 nicht eher auf den Goodwill von immer fragileren Firmen angewiesen bist.
Weshalb es so wichtig ist
Digital souverän zu sein, bedeutet konkret schlicht, seine Daten und damit meist auch die darunterliegende Infrastruktur zu kontrollieren. Gründe um digital souveräner zu werden, gibt es genug: Autonomie, Datenschutz, Rechtssicherheit. In letzter Zeit kommen aber einige Gründe dazu: Kostenstrukturen verändern sich, ebenso die politische Landschaft um die relevanten Akteure.
Die meisten relevanten Techfirmen sind in den USA stationiert. Dadurch greift der CLOUD-Act, was bedeutet, dass die Firmen nach Bedarf jegliche Daten an die US-Behörden liefern müssen, auch wenn diese Daten in anderen Ländern liegen. Die US-Regierung wird auch immer skrupelloser mit ihren Befugnissen:
- Microsoft sperrte das Konto des Chefanklägers des internationel Strafgerichtshofs, weil der US-Regierung ein Verfahren nicht passt.
- Firmen wie Reddit, Meta und Google geben freiwillig Nutzerinfos an ICE-Behörde weiter
Wie lösen?
Ein schönes Beispiel ist Digitec Galaxus, welche die eigene IT-Infrastruktur selbst auf Open-Source-Basis neu aufbaut und betreibt. Europäische Projekte wie Opendesk aus Deutschland und die französische Visio-Initiative geben Gas und bieten Alternativen zu Umgebungen von Microsoft Teams und Co.
Selber habe ich im letzten Jahr begonnen mit Selfhosting für meine eigene Infrastruktur zu experimentieren. Fazit nach einem Jahr: Läuft.
Kollaborations-Tools, Projektverwaltung, CRM, Zeiterfassung, Datenablage, VPN, lokales LLM, Backup-Infrastruktur und und und läuft auf meiner eigener Infrastruktur. Apple, Google und Microsoft könnten morgen zu machen und ich könnte fröhlich weiterarbeiten. Mit Ausnahme vielleicht einiger Teams-Projekte meiner Kundinnen, wo ich als Gast dabei bin.
Nebst dieser Resilienz spare ich unter dem Strich Einiges an Kosten, weil ich viel weniger Abos zahlen muss. Wie jede andere Lösungen hat auch meine Variante Nachteile: Mein IT-Admin bin ich selbst. Und bei der ganze Freiheit in der Gestaltung bringt eben auch die ganze Verantwortung mit sich.
Hardware
Hardware wurde in den letzten Jahren so günstig, dass die Kosten für «Bare-Metal»-Server wieder attraktiver werden im Vergleich zu Cloud-Computing. Nun dreht sich der Spiess um: Im Investitionsrausch kaufen AI-Firmen ganze Hardware-Bestände bereits im Voraus auf, um damit neue Rechenzentren auszustatten. Die Preise für Speicherplatz und besonders RAM sind gestiegen und verändern die Kostenvergleiche zwischen Cloud und Bare-Metal erneut.
Trotz der Kostenentwicklung gehe ich davon aus, dass digitale Souveränität gekommen ist, um zu bleiben. Und wir noch viel mehr Erfolgsgeschichten wie von Digitec Galaxus sehen werden.
Und nun?
Externe Faktoren verändern sich, die Karten werden neu gemischt. Die Risiken für deine Organisation werden nicht weniger, es ändert sich gerade nur die Reihenfolge.
Damit landen wir direkt in der Strategie-Arbeit. Es ist allerhöchste Zeit, die Risikoanalyse für’s eigene Unternehmen zu aktualisieren und gegebenfalls die Strategie anzupassen. Wenn Du dabei Hilfe brauchst, helfe ich Dir gerne mit meiner Strategie-Begleitung durch den Prozess.
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